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Felsberg Wintrange Moselle Luxembourg

Felsberg, ein altes Terroir unter dem wachsamen Auge des Heiligen Donatus

Der schöne, rundliche Felsberg, der das Dorf Wintringen und die Weiher von Remerschen überblickt, ist ein für den Süden der Mosel eher untypisches Terroir. Der kalkhaltige Untergrund ist ideal für den Anbau von Riesling … aber nicht nur!

Es heißt, dass sich die von Muschelkalk geprägten Böden an der nördlichen Mosel (von Remich bis Wasserbillig) vor allem für Riesling eigneten, während die Mergelböden im Süden (von Schengen bis Remich) ideal für Pinots seien. Aber wie immer sollte man sich vor Verallgemeinerungen hüten: Dieses vereinfachte Schema berücksichtigt nicht den Felsberg, ein ungewöhnliches Terroir.

Der Felsberg ist ein steiler, halbmondförmiger Hügel, der nach Süden ausgerichtet ist und sich wunderbar in die Landschaft einfügt. Er wird von der Statue des Heiligen Donatus überthront – am Ende des Dorfes bis zum Wald, einem Natura-2000-Gebiet, ganz oben auf dem Berg. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht. Sie reicht bis nach Schengen, und die von den Remerscher Weihern versorgte Aue kontrastiert mit den steilen Hängen, dem ganzen Glück der Winzer.

„Er ist die Ausnahme in unserer Region“, lächelt Yves Sunnen, der dort seine ältesten Reben bearbeitet: eine Parzelle mit Riesling, der 1943 gepflanzt wurde. Er kaufte sie vor 20 Jahren. „Der Kalksteinuntergrund verleiht dem Wein seine Mineralität und seinen unverwechselbaren Charakter. Ganz anders als die umliegenden Terroirs wie der Hommelsberg gleich daneben, der rundere Weine mit mehr Körper hervorbringt“, so der erste Bio-Winzer des Landes.

„1897 stimmte der Wintringer Bewohnerrat mit sehr großer Mehrheit der Aufteilung des Weinbergs zu“

Das hohe Alter der Reben trägt viel zur Persönlichkeit dieses Ortes bei. „Die Bodenstruktur wurde seit der Bepflanzung des Weinbergs nie verändert und die Wurzeln können aus dem ursprünglichen Terroir schöpfen“, betont Yves Sunnen. Obwohl Ende letzten Jahres ein Flurbereinigungsprojekt gestartet wurde, sollte es nur die umliegenden Hügel betreffen und nicht das Herz des Terroirs – zur großen Erleichterung des Winzers und einiger seiner Kollegen.

Der Ursprung dieses Weinbergs ist genau datiert. Für alle weiteren Informationen braucht man nur Gast Schumacher, den Vater von Frank und Martine Schumacher (Domaine Schumacher-Knepper) zu fragen, dessen Weingut und Verkostungsraum sich praktisch am Fuße der Treppe, die zur Statue des Heiligen Donatus hinaufführt, befinden. Der freundliche Herr hat alles in einem Archiv aufbewahrt!

„1897 stimmte der Wintringer Bewohnerrat mit sehr großer Mehrheit der Aufteilung des Weinbergs zu“, erklärt Gast Schumacher. Die Arbeiten wurden 1900 abgeschlossen. Damals profitierte die Mosel vom Zollverein mit Deutschland, weil ihre Trauben zur Sektherstellung auf der anderen Seite der Mosel geschätzt wurden. Mit der Erweiterung und Modernisierung des luxemburgischen Weinbaugebiets konnte dieser starken grenzüberschreitenden Nachfrage Rechnung getragen werden.

„Vor dieser Entscheidung gab es keine Zufahrtswege zu den Reben“, sagt Gast Schumacher. „Alles musste über beschwerliche Wege auf dem Rücken transportiert werden.“ Hierzu gibt es eine schöne Anekdote, in der die Donatus-Statue die Hauptrolle spielt: Um die Erweiterung des Felsbergs zu begleiten, hatte der Priester von Wintringen, M. Schrohweiler, die Idee, den Hang durch die Errichtung der berühmten Statue zu heiligen. Die Gemeindemitglieder waren mit dem Vorschlag einverstanden und 1898 opferte sich Jean Hengers, der starke Mann im Dorf, um sie auf dem Rücken auf einem halsbrecherischen Weg den steilen Hang hinaufzutragen (die Treppe mit den 590 Stufen wurde erst 1933 errichtet)!

Die Vorzüge des Weinbergs wurden sehr schnell erkannt, aber der Felsberg hat ein Problem: Alle zwei bis drei Jahre leidet er unter Spätfrösten, die einen Großteil der Ernte vernichten. 1952 und 1953 wurden zwei Studien (eine von der Universität Geisenheim, die andere vom Wetteramt Trier) durchgeführt, um eine Lösung zu finden. Es wurde vorgeschlagen, die Bäume oben auf dem Berg zu fällen, sodass die Kälte nach unten abwandern kann, sowie einen See anzulegen, der als Wärmespeicher dient. Paradoxerweise gibt es die damals abgelehnte Lösung jetzt: Die Remerscher Weiher, die aus ehemaligen Sandgruben entstanden sind, haben diese Rolle übernommen.

„Hier ist der Lehmboden interessant, der in trockenen Jahren Wasser zurückhält“

Um dem Frost entgegenzuwirken, wurde 1956 eine komplexe Sprinkleranlage installiert. 12.600 Meter Rohre und 99 Sprinkler werden über zwei große Dieselpumpen mit Moselwasser versorgt. Sinken die Temperaturen, werden die Reben besprengt. Das Eis um die Beeren herum schützt sie vor noch größerer Kälte, wie bei einem Iglu. Später wurden die Dieselmotoren durch zwei Elektropumpen ersetzt. Der Klimawandel wird dieses System, das viele Ernten gerettet hat, überflüssig machen. Spätfröste treten immer seltener auf, die aufwändige Wartung des Wassernetzes ist nicht mehr rentabel.

Heute ist der Felsberg eines der geschätzten Terroirs des Landes, dessen Weine regelmäßig bei den bekanntesten Wettbewerben (Mundus Vini, Best of Riesling usw.) ausgezeichnet werden. Das Weingut Schumacher-Knepper besitzt acht Hektar, die es 1964 dem Remicher Notar Constant Knepper abkaufte. Frank Schumacher würde sie für nichts auf der Welt hergeben, sie sind Teil der DNA des Weinguts. „Hier ist der Lehmboden interessant, der in trockenen Jahren Wasser zurückhält“, erklärt er. „Dadurch haben die Reben letztes Jahr nicht gelitten, vor allem die, die weiter unten in tiefgründiger Erde stehen.“ Frank Schumacher bevorzugt jedoch seine Reben in der Nähe des Dorfes, auf einem reichhaltigeren Boden als dem oben auf dem Gipfel, wo der Kalkstein zu sehen ist.

Weit davon entfernt, sich auf Routinearbeiten zu beschränken, bestockte er in den letzten Jahren zwei kleine Parzellen mit neuen Rebsorten: Merlot (18 Hektar) und Pinotage (11 Ar). „Ich will sehen, wie sich diese Trauben entwickeln, angesichts des Klimawandels. Ich denke, es könnte interessant werden …“. Der Felsberg überrascht immer wieder!

Carte_felsberg

Fläsche : 21,67 ha

Weinproduzenten : 20

Rebsorten : riesling (30,8%), pinot gris (26,4%), pinot blanc (11,9%), auxerrois (8,7%), rivaner (6,8%), pinot noir (6,3%), elbling (3,1%), gewürztraminer (2,5%), chardonnay (1,2%), andere (2,3%).

Felsberg : ein sehr renommiertes Terroir

Cuvée Lyra 2017 Domaine Schumacher-Knepper (Wintringen)

Eine einzigartige Cuvée in Luxemburg, eine Mischung aus zwei Dritteln Pinot Noir und einem Drittel Saint-Laurent. Die besondere Form der Bögen gibt diesem Wein den Namen, der zwölf Monate lang in neuen Fässern und ein- und zweijährigen Fässern ausgebaut wird. Diese Cuvée bestätigt die gute Qualität der roten Rebsorten im Jahrgang 2017: Ausgewogen, mit einem attraktiven Duft nach Veilchen, Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren, wird sie auf einer knackigen Frucht genossen, die an dunkle Kirschen, Brombeeren und Schlehen erinnert.

Riesling Ancien Domaine Constant Knepper 2017 Domaine Schumacher-Knepper (Wintringen)

Ein Riesling aus ideal gelegenen Parzellen, der sich durch Noten von Johannisbeerblättern und exotischen Früchten auszeichnet. Opulent, konzentriert, man hat man den Eindruck, in die Traube zu beißen.

Gewürztraminer Wintrange Felsberg 2017 Domaine Schumacher-Knepper (Wintringen)

Sehr erfolgreich, dieser rassige Gewürztraminer mit Rosenaromen ist saftig, ausgewogen und mit seinen 20 Gramm Restzucker nur gerade ein „vin moelleux“.

Riesling Domaine et Tradition Vieilles Vignes 2017 Domaine Sunnen-Hoffmann (Remerschen)

Yves Sunnen ist ein Pionier der Bioweine in Luxemburg und Gründungsmitglied der 1988 gegründeten Charta Domaine et Tradition. Mit einem extrem geringen Ertrag (30 hl/ha) ist dieser Riesling konzentriert, dicht und perfekt reif.

Pinot Gris Wintrange Felsberg 2017 Caves Desom (Remich)

Das Weingut produziert zwei Weine aus dem Felsberg, einen Riesling und einen Pinot Gris. Der für diese burgundische Rebsorte schwierige Jahrgang 2017 war ein Erfolg für das Team von Marc Desom. Der Wein ist fruchtig, erfrischend, lang und angenehm.

Pinot Gris Wintrange Felsberg 2016 Domaine Henri Ruppert (Schengen)

Henri Ruppert baut auf dem Felsberg Pinot Gris und Riesling an. Der Pinot Gris des Jahrgangs 2016 hat einen Duft von reifer Ananas, Birne und Quitte. Ein Eindruck, der sich im Mund bestätigt: Er ist sehr fruchtig und saftig.

Riesling Wintrange Felsberg 2016 Domaine Clos Mon Vieux Moulin (Ahn)

Das Gut kigt 30 km von Wintringen entfernt, aber Frank Duhr und seine Mitarbeiter haben Freude daran, auch die Trauben aus ihren eigenen Parzellen (Pinot Gris und Riesling) im Felsberg zu ernten. Der Riesling 2016 ist mineralisch und spiegelt das Terroir mit Noten von reifen Zitrusfrüchten, Birne und einem Hauch von Kiwi und frischer Ananas wider.

Pinot Gris Wintrange Felsberg 2016 Domaine Krier-Bisenius (Bech-Kleinmacher)

Jean-Paul Krier, der kürzlich alle seine Reben auf biologischen Anbau umgestellt hat (Zertifizierung 2015), bietet im Jahrgang 2016 einen trockenen, präzisen, pfeffrigen und mineralischen Pinot Gris an, mit einem köstlichen Abgang.

Riesling Wintrange Felsberg 2017 Domaines Vinsmoselle

Dieser Riesling bestätigt die Tendenz zu kandierten Zitrusfrüchten, die Weine dieses Terroirs auszeichnen: lebendig, konzentriert, sehr fruchtig, lang und trotz seiner dominanten Mineralität ziemlich fett.

Riesling Wintrange Felsberg 2017 Domaine Alice Hartmann (Wormeldingen)

Neben den Weinbergen in Wormeldingen, Grevenmacher, Ahn, im Saarland und an der deutschen Mosel besitzt das Weingut seit dem Jahrgang 2017 zwei Riesling-Terrassen auf dem Felsberg, und damit erweitert es sein Angebot: Der Riesling ist konzentriert, extravagant und mineralisch zugleich.

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