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„Viele Winzer fragen uns um Rat“

Sonja Kanthak, Weinberaterin am IBLA (Institut für biologische Landwirtschaft), bedauert, dass bisher nur wenige luxemburgische Rebflächen auf Ökoweinbau umgestellt wurden, begrüßt aber, dass sich immer mehr Winzer für dieses Thema interessieren.

Für Bio- wie auch für konventionell arbeitende Winzer war es kein einfaches Jahr …

Sonja Kanthak: Frost im Mai, verbrannte Trauben im Juli aufgrund der starken Sonneneinstrahlung … Die Erträge werden nicht groß sein, aber die übrig gebliebenen Trauben sind sehr schön. Um dies zu erreichen, musste bis zur Lese hart gearbeitet werden.

Die Qualität der von luxemburgischen Biobetrieben erzeugten Weine ist nachweislich gut. Wie ist zu erklären, dass es trotzdem nur so wenige sind?

Das ist keine leichte Frage … Zumal ihnen hier mehr geholfen wird als anderswo. Hinsichtlich Beratung, Unterstützung – auch finanzieller Art … Dies reicht aber nicht aus. Nur 4 % der luxemburgischen Rebflächen werden biologisch bewirtschaftet, verglichen mit 7 % in Deutschland und 8 % in Frankreich. Sicher ist, dass die Umstellung eine sehr persönliche Entscheidung ist, die reiflich überlegt sein will.

Was wäre eine Lösung, dass mehr Winzer den Bio-Weg wagen?

Es wird nie eine Lösung für alle geben: Jeder Winzer hat unterschiedliche Gründe. Jeder ist ein Einzelfall, das gilt es zu respektieren und zu verstehen. Motivierend wäre eine stärkere Verbrauchernachfrage. Aber in Luxemburg ist sie zu gering, um die Winzer zu ermutigen, diesen Schritt zu wagen.

Enttäuscht Sie das als IBLA-Beraterin?

Nein, denn ich sehe, dass uns wirklich viele Winzer um Rat fragen. Viele Weingüter arbeiten ökologisch, ohne vollständig umstellen zu wollen. Es geht darum, die Risiken zu kennen, die man eingehen will oder nicht. Als Winzer muss man das Überleben des Unternehmens sichern.

Wie viele Weingüter stellen derzeit auf Bio um?

Nur Schmit-Fohl (in Ahn) hat diesen Weg wirklich eingeschlagen (Anm. der Redaktion: 2020 wird das letzte Umstellungsjahr sein; bis zur Zertifizierung dauert es drei Jahre). Aber noch einmal: Ich verstehe, dass sich die Winzer Zeit lassen. Ich persönlich empfehle ihnen, es zunächst in einer Parzelle zu versuchen und dann schrittweise so weiterzumachen. In einem Jahr von 0 auf 100 % wäre gefährlich. Zumal dies keine einfache Region ist, wie beispielsweise der Süden Frankreichs.

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