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Jean Cao, ein Mexikaner an der Mosel

Jean Cao ist der neue beratende Önologe der unabhängigen Winzer. Trotz seines eher jungen Alters von 37 Jahren hat er bereits viel Erfahrung, und er überrascht durch seine Herkunft: Man trifft nicht jeden Tag einen mexikanischen Önologen in den luxemburgischen Weinbergen!

Der Berufsverband der unabhängigen Winzer (Organisation professionnelle des vignerons indépendants, OPVI) legt seit langem Aufgeschlossenheit an den Tag. Die Herkunft seiner letzten beratenden Önologen beweist dies: ein Deutscher, ein Franzose, ein Südafrikaner und jetzt ein Mexikaner! Jean Cao (37) trat Ende letzten Jahres seine Stelle in Luxemburg an und wird bereits jetzt von seinen Arbeitgebern einstimmig als Bereicherung angesehen.

Verbandspräsident Ern Schumacher (Domaine Schumacher-Lethal in Wormeldingen) ist von seiner Motivation begeistert und alle Winzer, die er bereits besucht hat, sind von seinem Know-how überzeugt. Einige Winzer, die die Dienste seiner Vorgänger fast nie in Anspruch genommen haben, zögern nicht, ihn einzuladen, um die in ihren Kellern reifenden Weine zusammen zu probieren. Ihm gefällt‘s: „Önologe ist ein beratender Beruf. Man muss zuhören können, denn bei meiner Beratung geht es nicht darum, die Weine zu vereinheitlichen. Jeder Winzer hat seinen Stil, seine Ziele. Es ist wichtig, ihnen sehr genau zuzuhören und ihre jeweilige Persönlichkeit zu respektieren.“

Bevor er hier zu arbeiten anfing, kannte Jean Cao die Weine des Großherzogtums bereits – ein Beweis dafür, dass die luxemburgische Mosel kein Weinbau-Neuland ist. „Schon bei Verkostungen während meines Studiums probierte ich Rieslinge und Crémants und ich habe auch vor einigen Jahren bei einer Durchreise in Luxemburg haltgemacht. Ich war sehr überrascht von der Qualität der Auxerrois – die ich nur aus der Theorie kannte –, der Pinot Noirs und der Crémants, von denen die besten wirklich ausgezeichnet sind.“

Einige Weingüter sind im Ausland bereits sehr bekannt. Dies ist wichtig, denn je erfolgreicher die Spitze der Pyramide ist, desto mehr Winzer wollen diesen Weg ebenfalls einschlagen.

Was die ersten Monate im neuen Job angeht, gibt er zu, dass er Erfahrung sammeln muss. Er besichtigt die Weinberge, besucht die Kellereien und lernt die Winzer kennen. Und was er sieht, erfreut ihn: „Die Qualität der Böden, der Terroirs, die Wahl der Rebsorten, die Fachkompetenz und das Know-how der Männer und Frauen … Alles ist vorhanden, um sehr gute Weine machen“, sagt er.

Er ist sogar davon überzeugt, dass das Großherzogtum Potenzial und Spielraum für weitere Verbesserungen hat, was man nicht gleich vermuten würde: „Wir könnten hier Crémants von sehr hoher Qualität produzieren und den besten Riesling der Welt“, sagt er, ohne zu zögern. „Mit seinen ihm eigenen Vorzügen, die sich von deutschen oder elsässischen Rieslingen unterscheiden, aber mit einer Präzision, die den bekanntesten in nichts nachstehen. Für das Klima und die verschiedenen Bodentypen in Luxemburg ist Riesling die perfekte Rebsorte.“

Wie kann dieses Ziel erreicht werden? „Die besten Winzer sind bereits sehr nah dran. Sie legen bereits Wert auf die Details, die die besten Weine auszeichnen“, betont Jean Cao. „Mein Wunsch ist es, mit denjenigen auf Präzisionsweinbau umzusteigen, die dies tun wollen und den Ehrgeiz hierfür haben.“ Für Luxemburg wäre es seiner Meinung nach sehr von Vorteil, wenn die Spitzenweine des Landes eine größere internationale Anerkennung erfahren würden. „Einige Weingüter sind im Ausland bereits sehr bekannt (Anm. der Redaktion: Alice Hartmann, Henri Ruppert …). Dies ist wichtig, denn je erfolgreicher die Spitze der Pyramide ist, desto mehr Winzer wollen diesen Weg ebenfalls einschlagen“, ist er zuversichtlich.

Jean Cao hat sich daher voll und ganz seiner Beratungs- und Wissensvermittlungsmission verschrieben, aber man stellt sich doch die Frage, ob er als Önologe nicht davon träumt, seinen eigenen Wein herzustellen. Eine klare Antwort: „Derzeit nicht. Ich freue mich sehr, mit so vielen Winzern zusammenzuarbeiten, und schätze diesen Wissensaustausch sehr. Es ist eine echte Bereicherung, ich selbst lerne auch viel. Über Wein, aber auch menschlich, was mir sehr wichtig ist. Als ich jünger war, hatte ich in Mexiko tatsächlich den Ehrgeiz, meinen eigenen Wein herzustellen. Auf dem Weingut, wo meine Karriere begann, durfte ich Wein machen und ich muss sagen: Er war nicht mal schlecht! Aber dieser Wunsch gehört der Vergangenheit an. Vielleicht kommt die Lust zurück, aber zurzeit eher nicht.“

Die Geburt einer Leidenschaft

Mexikaner sein mit einer Leidenschaft für Wein – das gibt es! Außerdem war das Land historisch gesehen das erste, das auf dem amerikanischen Kontinent Weinreben pflanzte. Die Zeit damals war jedoch nicht die beste, da es die spanischen Kolonialherren waren, die den Weinanbau 1554 einführten, erinnert der Önologe Jean-Baptiste Ancelot, der während seines großen Weinforschungsprojekts alle Weinanbaugebiete der Welt (einschließlich Luxemburg) besuchte (www.wine-explorers.net).

In Jean Caos Familie wurde Wein zum Essen serviert. „Ich durfte meine ersten Tropfen mit 13 oder 14 trinken. Ich erinnere mich an deutsche Rieslinge und Gewürztraminer, die ich sehr mochte.“ Aber es war die Küche, die diese Leidenschaft für das Analysieren von Aromen auslöste. Er spielte ein kleines Spiel: die verschiedenen Zutaten der servierten Gerichte zu erkennen. „Diese Neugier hat mich natürlicherweise zum Wein geführt“, sagt er.

Er interessierte sich zunehmend für die Weinherstellung, in Mexiko gab es allerdings keine entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten. Daher wählte er ein ähnliches Studium und wurde Chemieingenieur, wobei er sich bevorzugt mit den Prozessen der Gärung und Destillation beschäftigte.

„Um einen Job zu finden, beschloss ich, nach Baja California zu gehen, wo Wein produziert wird. Ich nahm mit allen Weingütern Kontakt auf … ohne Erfolg! Ein Aquakulturunternehmen stellte mich jedoch ein. Es war eine tolle Arbeit, bei der ich regelmäßig tauchen musste. Etwas, das ich liebe! Aber es blieb die Idee, irgendwann bei einem Weingut zu arbeiten. Schließlich bot mir die beste Kellerei ein Praktikum an und ich wusste sofort, dass es mir gefallen würde! Am Anfang war ich sehr früh am Morgen in der Kellerei und bin dann zum Aquakulturbetrieb gegangen. Nach einiger Zeit stellte mich das Weingut ein.“

Jean Cao spürte jedoch immer noch eine gewisse Unzufriedenheit. „Ich wollte Fortschritte machen, mehr Wissen ansammeln, aber in Mexiko war das nicht möglich.“ Er hatte keine Wahl: Er musste ins Ausland. Ende 2009 flog er nach Frankreich. Hier meldete er sich am Institut national d’études supérieures agronomiques (SupAgro) in Montpellier an und erwarb einen Master in Weinbau-Önologie am Montpellier SupAgro sowie einen Önologieabschluss an der Bordeaux Sciences Agro. „Um die für diesen Job notwendige Genauigkeit zu bekommen, ist eine wissenschaftliche Ausbildung praktisch unerlässlich“, sagt er.

Und nach vielen Erfahrungen auf der ganzen Welt (Südafrika, USA, Bordeaux, Châteauneuf-du-Pape, Aude …) ist er jetzt hier an der Mosel!

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