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Hitze im Weinberg

Ende Juli erreichte das Quecksilber Höhen, die es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen an der Mosel noch nie gegeben hat. Bedingungen, die zu großen Schäden an den Reben führten. Nach den späten Frosttagen im Mai machte das Wetter erneut Kapriolen …

Erreicht das Quecksilber in den Rebanlagen in Spanien, Italien oder im Languedoc 42 °C, ist das keine gute Nachricht. Dennoch sind die dort angebauten Rebsorten an das heiße und trockene Klima angepasst. In Luxemburg war demnach kein Wunder zu erwarten, da die Traubensorten für ein gemäßigteres Klima ausgewählt wurden … Der beratende Önologe der unabhängigen Winzer, Jean Cao, hat an der Universität von Montpellier Weinbau und Weinerzeugung studiert und machte sich keine Illusionen: „Auch im Süden vertragen die Reben solche Bedingungen nicht …“ Er hatte Recht.

Die Sonne ist ein Freund der Rebe, die gut mit mageren Böden und Wassermangel zurechtkommt. Doch die Widerstandsfähigkeit hat ihre Grenzen und die waren jetzt erreicht: „Die Parzellen, die am meisten gelitten haben, waren diejenigen mit der besten Ausrichtung: volle Sonne zwischen 16 und 18 Uhr, wenn es am wärmsten ist“, erklärt Jean-Paul Krier (Domaine Krier-Bisenius in Bech-Kleinmacher). Paradoxerweise sind es die besten Lagen, die den höchsten Preis bezahlt haben.

„Am Fuße von Terrassenmauern oder Felswänden mit einer wärmereflektierenden Beschaffenheit wurden fast 50 °C gemessen“, bemerkt Marc Desom (Caves et Domaine Desom in Remich). Armand Schmit (Domaine Schmit-Fohl in Ahn) ist gelernter Geograph und ordnet das Phänomen in seinen Kontext ein: „42° sind enorm! Vor nicht allzu langer Zeit kamen solche Temperaturen nur im Zusammenhang mit der Sahelzone zur Sprache und sie schienen uns unerträglich … Jetzt haben wir sie auch hier.“

Kein Winzer hat hier Derartiges je gesehen oder erlebt. Armand Schmit fährt fort: „Ich meinte zu Ern (Anm. der Redaktion: Schumacher, Winzer bei der Domaine Schumacher-Lethal in Wormeldingen und Vorsitzender der unabhängigen Winzer), wenn wir unseren vor zwanzig Jahren verstorbenen Vätern sagen müssten, dass Trauben kaputtgegangen sind, weil im Weinberg 42° herrschten, würden sie antworten: ‚Was habt ihr bloß gemacht, seit wir gegangen sind?‘.“

Es wird ein Winzerjahr werden

Die Hitzewelle ließ die Trauben vorzeitig vertrocknen. Die Beeren, die den Sonnenstrahlen mit voller Wucht ausgesetzt waren, trockneten wie Rosinen, waren aber noch nicht ausgereift. Bei einigen Trauben belaufen sich die Ausfälle auf 100 %, andere sind nur teilweise betroffen. Diese Situation ist heikel, da verdorbene Trauben nicht in die Presse gelangen dürfen – sie würden ansonsten den gesamten Tank verderben. Deshalb ist besondere Vorsicht geboten. Insbesondere bei der Bereitung von Rotweinen, die eine Mazeration und somit einen längeren Kontakt zwischen Most und Weintrauben erfordern. „Die Gärung muss so kurz wie möglich sein“, bestätigt Jean-Marie Vesque (Domaine Cep d’Or in Hëttermillen). „Die Mazerationen dauern maximal 36 oder 48 Stunden. Ich werde dieses Jahr weniger Rotwein keltern.“

Was jedoch nicht heißt, dass schlechtere Weine hergestellt werden. „Es wird ein Winzerjahr werden“, sagt Yves Sunnen (Domaine Sunnen-Hoffmann in Remerschen) mit einem Lächeln. Für eine schöne Ernte gibt es kein Geheimnis: Es musste viel gearbeitet werden.“ Insofern werden die Bio-Winzer – Yves Sunnen ist ein Pionier des Bio-Weinbaus – sich wahrscheinlich nicht beklagen können.

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