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Neues Leben auf dem Markusberg

Das Frühjahr ist die beste Zeit, um den Weinberg zu bepflanzen. In Schengen, auf dem Markusberg, entschied sich Frank Keyser (Domaine Keyser-Kohll by Kohll-Reuland) für Chardonnay, eine für dieses Terroir perfekte Rebsorte, für deren Verwendung es verschiedene Möglichkeiten gibt (Stillwein, Crémant, Cuvée usw.).

Strahlender Sonnenschein am Dienstag, den 4. Juni über dem Drei-Länder-Eck. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn der Boden muss an der Oberfläche schön trocken sein, wenn die jungen Rebstöcke gepflanzt werden. Heute erfolgt dieser Arbeitsgang weitgehend maschinell. Drei Mitarbeiter von Carlo Faber, einem Gärtner aus Wellenstein, arbeiten auf dem Traktor, der den Hang auf und ab fährt. Der Fahrer lenkt das Gefährt kerzengerade von oben nach unten, um die gleichen Abstände auf der ganzen Parzelle einzuhalten. Seine beiden Kollegen sitzen in entgegengesetzter Richtung auf dem Anhänger. Der eine setzt die metallenen Pflanzpfähle, der andere die sehr jungen Reben. In regelmäßigen Abständen werden sie von einem Rad in die gerade gespurte Furche gesetzt. „Es geht viel schneller als zur Zeit unserer Eltern!“, lacht Frank Keyser und lässt den Traktor nie aus den Augen. Es dauert nur 1,5 Stunden, um 25 Ar zu bepflanzen.

Aber auch wenn die Pflanzung schnell geht, muss vorher lange darüber nachgedacht werden, denn sie wird jahrzehntelange Auswirkungen auf das Weingut haben. Zuerst muss beschlossen werden, die alten Reben herauszureißen – eine Entscheidung, die nicht so einfach ist. „Das letzte Mal vor drei Jahren in Ehnen, auf dem Rousemen“, erinnert sich der Winzer.

Die Gründe hierfür können vielfältig sein. „Ich hatte Rivaner, der 1982 gepflanzt worden war, und sechs Reihen etwas jüngerer Pinot gris, die mein Vater gepflanzt hatte, was aber nicht funktionierte.“ Denn mehrere Rebsorten auf kleiner Fläche sind unpraktisch, vor allem, wenn das Familienunternehmen 20 km entfernt in Ehnen liegt. Und noch wichtiger: Bei Rivaner ist die Wertschöpfung geringer als bei Chardonnay. Die Entscheidung war gefallen: „Ich entschied dies am Ende der Lese und nutzte die Anwesenheit der Saisonarbeiter, um alles herauszureißen.“

Schön und gut, aber um was zu pflanzen? Die Mosel zählt eine Vielzahl von Rebsorten. „Ich habe mich für Chardonnay entschieden. Ich kann Stillwein daraus machen, ihn in meinem Crémant oder auch in einer Cuvée verarbeiten (Anm. der Redaktion: Mischung verschiedener Stillweine).“ Chardonnay demnach, aber der richtige Klon muss auch ausgewählt werden, denn es gibt Dutzende! „Ich vertraue Carlo, er wählte einen mit fruchtigen Aromen, der meinen Erfordernissen entspricht.“

Erste Lese im 2023

Dann muss die Dichte der Pflanzen pro Hektar bestimmt werden, denn diese hat Einfluss auf die Qualität des späteren Weins. Sie bemisst sich nach dem Abstand zwischen den Reben in einer Reihe und dem Abstand zwischen den einzelnen Reihen. Er entschied sich für achtzig Zentimeter Abstand zwischen jeder Pflanze einer Reihe. „Dies ist ideal für einen einfachen Guyot-Schnitt (Anm. der Redaktion: mit einer einzigen, die Trauben tragenden Fruchtrute). Der Trieb wächst besser nach oben und mit acht oder zehn Augen reicht er bis zur nächsten Pflanze. Ab einem Meter muss man den Trieb höher erziehen, was mehr Augen und auch mehr Trauben hervorbringt, aber nicht das Ziel ist. Dieser Abstand ermöglicht eine gute Verteilung der Laubfläche. Und da die Blätter den Zucker in den Trauben produzieren, macht dies Sinn.“

Der Reihenabstand wird durch die Breite des Traktors bestimmt, der im Weinberg zum Einsatz kommt: „Mit 1,9 m reicht es gerade so!“ Was bedeutet, dass auf der Parzelle rund 6.000 Reben pro Hektar gepflanzt werden.

Aber all diese Berechnungen können vor Ort nur genau so umgesetzt werden, wenn die Parzelle absolut gerade ist. Was natürlich quasi nie der Fall ist. Daher muss mit der tatsächlichen Form der Parzelle gespielt werden – das Bepflanzen des Weinbergs ist auch Anschauungsunterricht in Geometrie! Auf dem Markusberg musste getrickst werden. Da das Gelände am Fuße des Hügels breiter wird, wäre die ganze Fläche mit ausschließlich geraden Reihen von oben nach unten nicht optimal genutzt worden (was auch einen Einfluss auf die Dichte haben würde). Die Baumschulgärtner pflanzten daher unten zwei kleinere Reihen und dann wieder eine einzige Reihe in Richtung des Waldes, der die Parzelle überragt.

Jetzt, wo der Traktor weg ist, muss Frank Keyser noch die metallenen Pflanzpfähle mit den beiden Drähten, auf denen die Fruchtruten wachsen werden, setzen. Keine dringende Arbeit aufgrund der geringen Größe der Reben von nur zehn Zentimetern, aber sie sollte bis Ende des Jahres gemacht sein.

Und dann muss abgewartet werden, dass diese neuen Reben wachsen. Winzer dürfen ihre Trauben erst nach drei Jahren zu Wein verarbeiten – so will es das Gesetz. „Aber um so früh ernten zu können, müssen sie schnell wachsen. Was mit etwas Glück klappen könnte. Ich rechne jedoch erst 2023 mit der ersten Lese“, relativiert er. Und es wird noch weitere zehn Jahre dauern, bis diese Rebstöcke alt genug sind, um Trauben mit den besten Eigenschaften dieses schönen Terroirs hervorzubringen.

Mit der Hilfe von Satelliten

Reben werden nicht blind gepflanzt, alles ist sehr genau durchdacht. Bevor es losgeht, muss eine GPS-Bake, die die genau gewünschte Bepflanzung der jeweiligen Parzelle an den Computer im Traktor sendet, installiert werden. Während das Gefährt rollt und Reihen für die Jungreben zieht, gibt der Computer dem Fahrer die ganz genau zu befolgende Richtung vor. Dank neuer Technologien ist die Zeitersparnis beträchtlich und die Bepflanzung der Fläche wird den Wünschen des Winzers entsprechend optimiert.

Obwohl diese neuen Tools sich im Vergleich zur nicht allzu fernen Vergangenheit beträchtlich weiterentwickelt haben, bleiben die Herausforderungen trotzdem im Wesentlichen die gleichen. „Unsere Vorfahren haben auch sehr darauf geachtet, keinen Quadratmeter oder Rebstock zu verschwenden“, lacht Frank Keyser. Bloß, dass diese aufwändige Arbeit heute viel schneller und mit viel weniger Anstrengungen erledigt wird.

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