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Guy Krier Flashback travaux-1993-(1)

„Jede Generation muss zeigen, was sie kann“

2019 feiern Guy Krier und seine Frau Gaby (Domaine Krier-Welbes in Ellingen-Bahnhof) drei Jubiläen. 20 Jahre ist es her, dass die Kellerei an ihren jetzigen Standort umzog, 10 Jahre seit der Umstellung auf Bio und 5 Jahre seit der Eröffnung der Weinstube. Dies war einen Blick ins Fotoalbum wert!

1993 übernahm Guy Krier die Rebflächen seines Vaters. Ein logisches Ereignis, da er die 10. Winzergeneration der Familie ist. Aber nicht immer ist das, was offensichtlich erscheint, es auch wirklich. Denn was bedeutet ein solches Vermächtnis tatsächlich? Die Frage ist nicht so einfach … „Ja, ich bin die 10. Generation, die Wein herstellt, aber das hat nichts zu bedeuten“, meint er. „Bei jedem Besitzerwechsel muss die neue Generation zeigen, was sie kann, und ihr Potenzial und ihre Kreativität unter Beweis stellen. Letztlich bleibt heute von den Vorfahren nicht mehr viel übrig.“

Sein Vater François vererbte ihm 3,5 Hektar Rebflächen, die zu 50 % mit Rivaner und Elbling bestockt waren. Für Guy ist es selbstverständlich, dass alles neu überdacht werden muss. Er braucht nicht nur einen neuen Keller (er ist zu klein und gefällt ihm sowieso nicht), sondern auch die Bestockung passt nicht zu ihm. „Ich erinnere mich, als ich zu meinem Vater sagte, wir könnten Pinot gris anpflanzen, dass er antwortete, das sei nur eine Modeerscheinung. Heute, 26 Jahre später, habe ich nicht annähernd genug dieser Reben, um die Nachfrage zu decken!“

Wer sich ein wenig mit der jüngsten Geschichte des Anwesens befasst, taucht in die Entwicklung eines ambitionierten Unternehmens ein. Von den anfänglichen 3,5 Hektar ist fast nichts mehr übrig. Guy Krier wird im nächsten Jahr 12,7 Hektar Bio-Rebflächen bewirtschaften und hat gerade mit der Umstellung eines neuen Hektars mit Pinot gris begonnen. „Heute machen Elbling und Rivaner nur noch 0,8 % bzw. 3,5 % der Rebflächen des Weinguts aus“, sagt er.

Früher wurde Wein literweise gekauft. Der Preis war wichtiger als die Weine. […] Solche Kunden, habe ich nicht mehr.

Diese Entwicklung ist ein perfektes Beispiel für das, was an der gesamten Mosel passiert. Die Ära des ertragreichen Weinbaus mit nur geringen Qualitätsanforderungen ist endgültig vorbei. Guy Krier hat dies erlebt … und sah die Folgen bei seinen Kunden. „Früher wurde Wein literweise gekauft. Der Preis war wichtiger als die Weine“, erinnert er sich. „Solche Kunden – vor allem viele Belgier, die nach dem Umtausch ihrer Coupons bei der Bank ihre Autos vollluden – habe ich nicht mehr.“

Die Umstellung auf Bio – das Weingut erhielt die Zertifizierung 2009 – hat diesen Trend zusätzlich verstärkt. Da die Produktionskosten von Bioprodukten höher sind als die konventioneller Produkte, wurden die Flaschenpreise logischerweise nach oben angepasst. Wobei auch einige ehemalige Kunden verloren gingen. „Aber es kamen andere hinzu, die sich mehr für die Qualität meiner Weine als für meine Preise interessieren“, fährt er fort. Ein Beweis dafür, dass dieser Weg richtig war. Es sind nicht die Käufer, sondern die Weine, die ihm heute ausgehen! „Es ist erst früher Herbst und viele Weine sind bereits vergriffen …“, seufzt er.

Eine Situation, die neue Ideen erfordert: Guy Krier arbeitet bereits an den Plänen für eine neue Halle für seine Maschinen, hinter dem Gebäude, was ihm zusätzlichen Platz in dem für die Weinbereitung vorgesehenen Raum verschafft. Die Entwicklung der Domaine ist noch nicht abgeschlossen. Warum also aufhören, wenn man auf dem richtigen Weg ist?

 

„Ich habe 1988 die Weinberge meines Vaters übernommen, aber nicht den Keller. Ich musste ein neues Gebäude finden. Ich besaß damals sowieso nur 3,5 Hektar und wollte das Weingut ausbauen. Der Keller meines Vaters in Mondorf war proportional zur Größe des Betriebs aber zu klein für das, was ich vorhatte. Der Platz reichte z. B. nicht für die Herstellung von Crémants aus.“

 

„Am 14. Juli 1993 kaufte ich dieses Gebäude, das einem Weinhändler, der Société vinicole, gehörte. Der ehemalige Besitzer wollte, dass sein Geschäft weiter besteht. Dies war eine Bedingung für den Kauf, und mein älterer Bruder führte es bis 2006 weiter. Das Potenzial der alten Mauern und die Größe des Grundstücks, 50 Ar, haben mich überzeugt. Aber das Gebäude war in einem katastrophalen Zustand: Alles musste neu gemacht werden. Die Böden waren kaputt, der Stromzähler knisterte so sehr, dass es ein Wunder war, dass er nicht Feuer fing. Wasserleitungen mussten verlegt werden, da das ganze Wasser aus Brunnen kam, die drei Dächer mussten erneuert werden … Mein entfernter Cousin Bob Strotz entwarf die Pläne für den Keller für die Weintanks und den Presskeller. Ich hatte mich bereits verschuldet, um eine neue pneumatische Presse zu kaufen, Edelstahltanks, einen Traktor, neue Reben, ich musste einen Schuppen für meine Maschinen mieten … Mit 26 Jahren mehrere hunderttausend Euro zu investieren, war nicht leicht. Viele persönliche Opfer waren hierfür nötig.“

 

„Um Geld zu sparen, wurden viele Arbeiten von unseren Mitarbeitern durchgeführt. Musste etwas eingerissen werden, übernahmen wir das und die Unternehmen mussten nur neu aufbauen! Wir haben ganze Müllcontainer mit Schutt und leeren Flaschen weggeworfen. Die Lagerhallen waren voll davon – ein wirkliches Chaos! Es gab jedoch auch eine angenehme Überraschung, als wir 120 Flaschen eines perfekt erhaltenen Jubiläumsjahrgangs von Henriot-Champagner fanden. Der Wein war mindestens 25 Jahre alt und ausgezeichnet!“

 

„Die Wohnung im ersten Stock wurde komplett renoviert und wir konnten 1995 einziehen. Aber erst 1999 konnte der Keller in Betrieb genommen werden. Sechs Jahre lang, zwischen dem Kauf und dem Umzug, fuhren wir hin und her zwischen dem Keller in Mondorf, wo wir den Wein herstellten, und dem Keller in Ellingen-Bahnhof, wo die Flaschen etikettiert und gelagert wurden. All dies mit alten Geräten, die mein Vater immer in einem guten Zustand gehalten hatte. Glücklicherweise hatte ich seine Unterstützung und die seiner ehemaligen Kunden.“

 

„Während des Umzugs brachte ich fünf 1.000-Liter-Fässer und ein 600-Liter-Fass aus Mondorf mit, aber ich ließ die Großen zurück, die ihr Lebensende erreicht hatten. Ich war sehr froh, sie durch Edelstahltanks zu ersetzen, aber ich probierte den Wein und erkannte, dass Holz doch etwas hat … Also kaufte ich wieder 500-Liter-Fässer. Ich will keine Weine mit zu vielen Holzaromen herstellen, aber ein Ausbau, der eher Finesse als Intensität bringt, ist sehr interessant.“

 

„Die Wäistuff (Weinbar) wurde 2014 gebaut, dies war der letzte Umbau. 2008 sagte mir ein Architekt, der die Baustelle von Henris Keller betreute (Anm. der Redaktion: Henri Ruppert, sein Schwager und Winzer in Schengen), dass ich ein schönes Anwesen habe, es mir jedoch an Sichtbarkeit fehle. Er hatte Recht! Später, während eines Essens bei Jean-Paul zu Hause (Anm. der Redaktion: Jean-Paul Krier, sein Cousin und Bio-Winzer in Bech-Kleinmacher), zeigte einer seiner Freunde Bilder von seinem neuen Haus. Es gefiel mir so gut, dass ich den Architekten gleich am nächsten Tag anrief! Es war Jos Bleser, ein Luxemburger, der in Innsbruck wohnt und ein Büro hat, das auf Berghotels spezialisiert ist. Er meinte, dies treffe sich gut, da er das neue Hotel L’Écluse in Stadtbredimus bauen und daher öfter in Luxemburg sein werde. Diese Wäistuff hat vieles für uns verändert. Sie zieht viele Kunden an und hat das Unternehmen entwicklungstechnisch weitergebracht.“

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