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Caves Saint Martin Remich Luxembourg

„Die Caves St Martin, Pioniere des Weintourismus in Luxemburg“

2019 feiern die Caves St Martin ihr hundertjähriges Bestehen. Die perfekte Gelegenheit, alte Fotos hervorzuholen, die eine etwas vergessene, aber ungewöhnliche Geschichte erzählen.

Seit ihrer Gründung sind die Caves St Martin eine der beliebtesten Touristenattraktionen Luxemburgs. Dies liegt zum einen an ihrer außergewöhnlichen Lage – flussabwärts von Remich, an der Mosel – und zum anderen am Weitblick ihrer Erbauer Eugène Koch, Jean Faber, Eugène Knepper, J.-P. Hartmann, Pierre Wurth, Jean Beissel und Mathias Ley.

Gemäß ihrer Vision entstanden mehrere hundert Meter lange unterirdische Gänge, gehauen aus einem riesigen Kalksteinmassiv, wo das ganze Jahr über – sommers wie winters – eine konstante Temperatur von 12 Grad herrscht. Ein Projekt von gigantischem Ausmaß und damals eine echte Herausforderung, das erst 1921 abgeschlossen wurde.

Obwohl während des Zweiten Weltkriegs viele Archive verloren gingen, hörte die Familie Gales – die heutigen Besitzer und wichtige Akteure an der Weinmosel – nicht auf, überall nach Spuren dieser glorreichen Vergangenheit zu suchen, und spürte viele Dokumente auf. Auf Postkarten gedruckte Fotos, Schnappschüsse von Privatpersonen, Plakate, Besichtigungsmaterial usw. „Die meisten der gefundenen Sachen stammen aus Belgien“, erklärt Isabelle Gales. „Die meisten Besucher waren Belgier, heute sind diese Erinnerungen Sammlerstücke.“

Diese Dokumente sind etwas Besonderes, weil sie die Geschichte des unglaublichen Erfolgs einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes erzählen. Sie alle stammen aus der Zwischenkriegszeit, als der Besuch der Caves St Martin für die gut gelaunten Touristen, die das Großherzogtum bereisten, fast schon zum Pflichtprogramm gehörte. Es war zu einer Zeit, als der Spaß am Reisen für neue soziale Schichten erschwinglich wurde. Anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens will diese Touristenattraktion diesen leidenschaftlichen und etwas schrulligen Ansatz wieder aufleben lassen. Alles einsteigen!

 

„Dieses Bild stammt aus den 1920er-Jahren, kurz nach der Eröffnung der Keller im Jahr 1921. Der Name Caves Saint-Martin steht bereits in großen Lettern über der Felswand – ein Zeugnis dafür, dass von Anfang an Wert auf den Tourismus gelegt wurde. Die Idee, den Weinverkauf mit Führungen durch die unterirdischen Gänge zu fördern, war bahnbrechend: Nachdem die Besucher die verschiedenen Phasen zur Herstellung der St Martin-Schaumweine kennen gelernt hatten, konnten sie die Jahrgänge des Hauses im Verkostungspavillon (Mitte des Fotos) probieren. Auch wenn der Pavillon heute an anderer Stelle steht, laufen die Besichtigungen noch gleich ab. Die Tour endet noch immer in unserem derzeitigen Verkostungskeller.“

 

„Nach dem Ersten Weltkrieg mussten neue Absatzmöglichkeiten für luxemburgische Weine und Schaumweine gefunden werden, denn mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete auch der Zollverein mit Deutschland: Damals wurden luxemburgische Weine in Fässern auf den deutschen Markt exportiert und – mit großem Erfolg – in Sekt umgewandelt. Ab 1921 stellten sich die Caves St Martin jedoch der Herausforderung, die Produktion selbst abzufüllen, und Belgien wurde zum Hauptexportmarkt. Dank viel Werbung stammten bis zu 90 % der Besucher aus Belgien, was der Kellerei zu zunehmendem Erfolg verhalf. Damals kamen viele Minister und andere Persönlichkeiten vorbei. In den 1930er-Jahren sogar die Miss Paris!“

 

„Hier ist das Erinnerungsfoto … auch heute noch, obwohl die riesigen Flaschen in der Zwischenzeit ersetzt wurden! Von Anfang an gab es diesen ‘Studio’ genannten Raum, wo für Fotoaufnahmen eine große Flasche auf einem Podest stand. Den Schwerpunkt dermaßen auf den Tourismus zu legen, war wegweisend. Wir haben viele Bilder von diesem Ort mit Besuchern – ein echtes Muss einer jeden Besichtigung! Auch wurden sie sehr verwöhnt: Gute Kunden erhielten als Geschenk ein Album mit zehn Postkarten, jeder zehntausendste Besucher eine Kiste des Jahrgangs Château de Dreiborn, dem Flaggschiffwein des Hauses … In sehr guten Jahren kamen bis zu 100.000 Besucher, eine ziemlich unglaubliche Zahl!“

 

„Wie in der Champagne sehen wir hier die Rüttelpulte, auf denen die Sektflaschen gedreht wurden, sowie die Degorgieranlage, wo das Hefedepot aus der zweiten Gärung vor der Zugabe der Versand-Dosage herausschießt. Die traditionelle Methode der Champagne (‘méthode champenoise’) kam sehr oft in der Werbung vor – sie war ganz klar die maßgebende Vorlage. Dieses Verfahren wurde systematisch erwähnt, um zu erklären, dass St Martin-Schaumweine das Ergebnis langer Arbeit waren, die nach einer angesehenen Methode durchgeführt wurde. Wir zögerten nicht, auf Dom Pérignon höchstpersönlich zu verweisen! Alle Produktionsstufen fanden in den unterirdischen Gängen statt und konnten von den Besuchern aus der Nähe betrachtet werden.“

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